Autismus und rTMS – Chance auf erfolgreiche Therapieergänzung für Verbesserungen im alltäglichen Erleben und Verhalten

In den letzten Jahren ist die Anwendung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (TMS) vermehrt bei der Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen beachtet und Ihre Wirksamkeit in einigen Bereichen bestätigt worden.

Autismus und rTMS – Chance auf erfolgreiche Therapieergänzung für Verbesserungen im alltäglichen Erleben und Verhalten

Autismus und rTMS – Chance auf erfolgreiche Therapieergänzung für Verbesserungen im alltäglichen Erleben und Verhalten

In den letzten Jahren ist die Anwendung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (TMS) vermehrt bei der Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen beachtet und Ihre Wirksamkeit in einigen Bereichen bestätigt worden.

Was ist Autismus?

Unter dem Begriff „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) verstehen wir einen Symptomkomplex mit unterschiedlichen Ursachen, bei dem durch Störungen der Hirnentwicklung und Hirnreifung vor und nach der Geburt eingeschränkte oder veränderte Hirnfunktionen auftreten. Vor allem andauernde Einschränkungen in der Sozialen Interaktion, Kommunikations- und Verständnisprobleme sowie Auffälligkeiten in der Emotions- und Verhaltenswahrnehmung und -steuerung prägen das Störungsbild.

Symptomatik ASS

Erste Symptome treten bereits im frühen Kindesalter auf. Es kommt zu auffälligen Einschränkungen im sozialen Bereich, die für Eltern zunächst oft schwer greifbar scheinen – seien es ein ausgeprägter Sortier- und Ordnungsdrang, stereotype Bewegungsabläufe, plötzliche Wutanfälle oder ein komplettes Zurückziehen in sich selbst. Später schränken die Symptome den schulischen oder beruflichen Alltag ein [1]. Man spricht von einem „Spektrum“ an Störungen, weil neben unterschiedlichen Auslösern auch unterschiedliche Schweregrade der Symptomatik vorliegen, in denen einzelne oder alle Funktionen eingeschränkt oder verändert sein können. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Ausmaße der Einschränkung in Kommunikation und Kontakt. Neben den Kernsymptomen können zusätzlich intellektuelle Einschränkungen, depressive oder zwanghafte Störungen bei ASS auftreten. Oft finden sich neben den psychischen und neuropsychologischen Auffälligkeiten auch Auffälligkeiten in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinnesreizen [2] oder in mentalen Verarbeitungsprozessen [3] (vgl. Infografik “Autismus-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen“)

NPZ Infografik Autismus-Spektrum-Störungen

Ursachen in der Hirnstruktur

Es wird angenommen, dass es durch fehlerhafte oder ungenügende Vernetzungen von Nervenzellen innerhalb und zwischen einzelnen Regionen des Gehirns zu Störungen z. B. in der Hemmung auf das limbische System kommt. Solche Vernetzungsstörungen führen auch dazu, dass eine Überaktivität des Teils des autonomen Nervensystems, der für Anspannung und Aktivität zuständig ist (Sympathikus) gegenüber dem Parasympathikus (dem sogenannten „Erholungsnerv“) bei Patienten mit ASS vorliegt. Daraus resultiert eine andauernde besondere Anspannung des autonomen vegetativen Nervensystems (messbar u.a. durch Änderungsfähigkeiten der Herzraten und Hautwiderstände), die wiederum zu psychischem Spannungsgefühl führt und dann Probleme in der sozialen Integration und Interaktion zur Folge hat.
Elektrophysiologische Messungen zeigen, dass die „theoretische“ Konstruktion einer fehlenden oder fehlerhaften Vernetzung, speziell von frontalen Hirnarealen, auch messbar ist [4]. In einigen Untersuchungen konnte ein Ungleichgewicht von hemmenden und stimulierenden Nervenbahnen mit besonderer Beteiligung des Neurotransmitters GABA festgestellt werden [5] – so etwa in der Diagnostik von Probanden mittels EEG bei denen entsprechende „Gamma-Frequenz-Oszillationen“ gefunden wurden [6].

Repetitive transkranielle Magneststimulation für Patienten mit ASS

In den letzten Jahren ist die Anwendung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) vermehrt bei der Behandlung von ASS beachtet und untersucht worden. Es handelt sich dabei um die gezielte physikalische Behandlung der Nervenzellen im Gehirn mit pulsierenden Magnetwellen. Diese wirken bis unter die Schädeldecke (lat. „cranium“ für „Schädel“) hinein und können die Aktivität in den Gehirnarealen verändern. Der Einsatz von rTMS bei Patienten mit ASS wird seit 2010 mehrfach berichtet. Die Wirksamkeit der Behandlung wird dabei durch messbare Effekte der EEG-Aktivität im Zusammenhang mit visueller Reizstimulation gezeigt. Es ist offensichtlich so, dass durch die Behandlung mit Magnetwellen eine erkennbare Verbesserung von Hirnfunktionen erreicht werden kann [7]. Eine der einfacheren Untersuchungen misst die Unterscheidungsfähigkeit zwischen wichtigen und unwichtigen visuellen Reizen – eines der wirklichen Probleme im Alltag von Patienten mit ASS. Die erhobenen Messwerte „Gamma-Oszillation“ und „P300“ sind bei Patienten mit ASS gegenüber der Allgemeinbevölkerung reduziert. Das Gleiche gilt für die Fähigkeit, nach einem absichtlichen Fehler eine Korrektur zu machen oder eine spezifische Genauigkeitsaufgabe durchzuführen – was anhand eines alltagsnahen Settings der Untersuchung mit Fehlerkontrolle und -korrektur gut messbar ist [8].

Es lässt sich festhalten, dass eine der wesentlichen Ausgangsbedingungen bei Patienten mit ASS die veränderte Aktivität von Nervenzellen des Neurotransmitters GABA über frontalen Hirnarealen ist. Hier setzt die Behandlung mit der rTMS an: Durch niedrigfrequente Stimulation um 0,5 – 1 Hz über dem entsprechenden Hirnareal (dem dorsolateralen prefrontalen Kortex, kurz: DLPFC) konnte in mehreren Untersuchungen eine deutliche Verbesserung erzielt werden [9, 10]. Zusätzlich wurden mithilfe von psychologischen Interviews Veränderungen im Alltag der Probanden festgestellt. Dafür wurden 1-2 Stimulationen über dem linken DLFPC pro Woche durchgeführt, zwischen 6 und 12 Stimulationen insgesamt. In den Messungen der EEG-Messwerte wurden ebenso wie bei den psychologischen Interviews gute Verbesserungen erzielt [11]. Dabei wurden die Nebenwirkungen nur mit geringem Umfang angegeben. Neben Gefühlsstörungen im Nasenbereich gaben die Probanden lediglich leichte Spannungskopfschmerzen an.

Eine weitere Studie wurde mit 18 Wochen Laufzeit und einer einmaligen Stimulation pro Woche durchgeführt. Hierbei wurde zwischen linkem und rechtem DLPFC gewechselt. Die Ergebnisse waren überzeugend – es wurde eine statistisch signifikante Verbesserung in den einzelnen Bereichen erzielt [7]. Es zeigte sich bei der Umsetzung von 18 Stimulationen nicht nur ein positiver Effekt auf die primären elektrophysiologischen Parameter, sondern auch auf die alltäglichen Funktionen und Leistungen der Probanden und sogar auf Funktionen des autonomen Nervensystems im Sinne einer Entspannung und Aktivierung der parasympathischen Nervenfunktionen [12]. Einige dieser Ergebnisse sind mittlerweile abermals von anderen Untersuchungsgruppen bestätigt worden. So wurde gezeigt, dass nach 20 Stimulationen täglich über vier Wochen hinweg mit einer 1-Hz-Stimulation ein positiver und mehr als sechs Monate anhaltender Effekt ausgelöst werden konnte [13].

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die rTMS für die Behandlung von Symptomen aus dem Spektrum der autistischen Störungen hilfreich und wirksam sein kann. Gerade weil nicht nur technisch messbare Verbesserungen gefunden wurden, sondern auch über mehr als ein halbes Jahr hinweg von Patienten und Angehörigen im Alltag merkbare Veränderungen in Erleben und Verhalten beschrieben wurden. Die rTMS-Therapie stellt somit eine gute Ergänzung zu bisherigen Behandlungsansätzen dar. Diese Annahme wird unterstützt vom Hinweis, dass gravierende Nebenwirkungen nicht beschrieben und bei der rTMS auch nicht zu erwarten sind. Vielmehr stellt die rTMS eine physikalische Behandlung mit direkter Wirkung auf die Nervenzellen im Gehirn dar, die gegebenenfalls anzuwendende Psychotherapie und ergotherapeutische oder pädagogische Maßnahmen positiv unterstützen kann.

Behandlung von ASS mit rTMS im Neuropsychiatrischen Zentrum Hamburg

rtms neue Hoffnung

Vorgehen

  • 20 Sitzungen (1x tgl) mit niederfrequenter Stimulation über dem DLPFC (F3), links
  • 18 Sitzungen (2x wöchentlich) mit niederfrequenter Stimulation über dem DLPFC, wechselnd rechts und links

Kosten

  • 18-20 Sitzungen TMS-Behandlung
  • zusätzliche Kosten für Beratungsgespräch und psych. Messungen

Kosten TMS

Die Behandlung mit transkranieller Magnetstimulation (rTMS und dTMS) wird zurzeit von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Einzelfällen und auf Einzelantrag hin übernommen, sodass zunächst eine Abrechnung gegenüber dem Patienten nach Gebührenordnung für Ärzte (GoÄ) erfolgt.

10 Sitzungen

705,20einmalige Gebühr nach GOÄ
  • Zusätzliche Kosten für: Ausführliche Diagnostik, Testungen, Beratungs- & Behandlungsgespräche

15 Sitzungen

1057,80einmalige Gebühr nach GOÄ
  • Zusätzliche Kosten für: Ausführliche Diagnostik, Testungen, Beratungs- & Behandlungsgespräche

20 Sitzungen

1410,40einmalige Gebühr nach GOÄ
  • Zusätzliche Kosten für: Ausführliche Diagnostik, Testungen, Beratungs- & Behandlungsgespräche

Termin vereinbaren – Hilfe finden und Besserung erfahren

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Behandlung mit der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation. Für eine erste Einschätzung Ihrer Beschwerden benötigen wir noch einige Informationen von Ihnen. Im Anschluss erhalten Sie eine Benachrichtigung von uns, ob die Behandlung für Sie infrage kommt.

Bitte geben Sie eine korrekte Telefonnummer an und prüfen Sie nach Ihrer Anfrage unbedingt auch Ihren SPAM-Ordner auf Nachrichten von unserem rTMS-Team! Nur so können wir Sie schnellstmöglich erreichen und kurzfristig Beratungs- und Behandlungstermine vereinbaren.

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Literatur

  1. American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edn. Washington, DC: American Psychiatric Association.
  2. Posar, A., and Visconti, P. (2018). Sensory abnormalities in children with autism spectrum disorder. J. Pediatr. 94, 342–350.
  3. Frith, U., and Frith, C. D. (2003). Development and neurophysiology of mentalizing. Philos. Transac. R. Soc. Lond. B Biol. Sci. 358, 459–473. doi: 10.1098/rstb.2002.1218
  4. Loveland, K. A., Bachevalier, J., Pearson, D. A., and Lane, D. M. (2008). Fronto- limbic functioning in children and adolescents with and without autism. Neuropsychologia 46, 49–62.
  5. Casanova, M. F., Buxhoeveden, D. P., Switala, A. E., and Roy, E. (2002). Minicolumnar pathology in autism. Neurology 58, 428–432.
  6. Brock, J., Brown, C. C., Boucher, J., and Rippon, G. (2002). The temporal binding deficit hypothesis of autism. Dev. Psychopathol. 14, 209–224.
  7. Sokhadze, E. M., El-Baz, A., Baruth, J., Mathai, G., Sears, L., and Casanova, M. F. (2009). Effects of low frequency repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS) on gamma frequency oscillations and event-related potentials during processing of illusory figures in autism. J. Autism Dev. Dis. 39, 619–634.
  8. Sokhadze, E. M., Lamina, E. V., Casanova, E. L., Kelly, D. P., Opris, I., Tasman, A., et al. (2018). Exploratory study of rTMS neuromodulation effects on electrocortical functional measures of performance in an oddball test and behavioral symptoms in autism. Front. Syst. Neurosci. 12:20.
  9. Sokhadze, E. M., El-Baz, A. S., Sears, L. L., Opris, I., and Casanova, M. F. (2014). rTMS neuromodulation improves electrocortical functional measures of information processing and behavioral responses in autism. Front. Syst.
  10. Baruth, J. M., Casanova, M. F., El-Baz, A., Horrell, T., Mathai, G., Sears, L., et al. (2010). Low-frequency repetitive transcranial magnetic stimulation modulates evoked-gamma frequency oscillations in autism spectrum disorder. J. Neurother. 4, 179–194.
  11. Casanova, M. F., Baruth, J. M., El-Baz, A., Tasman, A., Sears, L., and Sokhadze, E. (2012). Repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS) modulates event- related potential (ERP) indices of attention in autism. Transl. Neurosci. 3, 170–180.
  12. Wang, Y., Hensley, M. K., Tasman, A., Sears, L., Casanova, M. F., and Sokhadze, E. M. (2016). Heart rate variability and skin conductance during repetitive TMS course in children with autism. Appl. Psychophysiol. Biofeedback 41, 47–60.
  13. Gómez, L., Vidal, B., Maragoto, C., Morales, L., Berrillo, S., Vera Cuesta, H., et al. (2017). Non-invasive brain stimulation for children with autism spectrum disorders: a short-term outcome study. Behav. Sci. 7:63.